Multikulti an der Insel-Theke

„Drinksch eigendlich äwwl Jevr?“

Von Dieter Freese

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Es ist komplett multikulturell. Da sind die Westfalen, die Badenser und Badener, die Niedersachsen samt Ostfriesen, die Württemberger, die Schwaben, die Hamburger, Bremer und Hessen. Sogar ein paar Sachsen und Mecklenburger sind dabei. Ein Stimmengewirr wie  in Babylon, beim berühmten Turmbau.

Tatort: Eine Theke in einer Inselkneipe auf – ach, ich weiß nicht mehr auf welcher ostfriesischen Insel. Ist auch völlig egal. Ich kann mich nur erinnern, dass hinter dem Tresen ein Sascha stand – ein Pole. Multikulti, sag ich doch.

Ich bestelle mir ein gepflegtes Jever. Neben mir sitzt ein mittelalter junger Mann mit einem Zweitagebart, der von Sascha gerade seinen dritten Ostfriesenwatt-Cocktail serviert bekommt. Hinter diesem geheimnisvollen Drink verbirgt sich ein Fürst Bismarck mit Cola, Fanta, viel Eis und einem Büschel Queller als Deko. Sieht geil aus – Gewinnspanne rund 300 Prozent.

Ich versuch’s und blicke sofort in ein dankbares Gesicht: „Auch hier?“ – „Ja, mei. Seit gestean“, antwortet er mit für mich noch verständlich Worten. Dann wird’s schwierig: „I kimm scho a boh Joare do ha.“  Und fährt fort: „Du aa?“ Da es nach einer Frage klang, antworte ich typisch ostfriesisch: „Jo.“

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„Na, hörd man do.“

Ich bestell’ mir bei Sascha noch ein Bier und werde von meiner rechten Seite angesprochen. ?„Drinksch eigendlich äwwl Jevr?“ Ich versuche es ins Blinde hinein: „Bist du Schwabe?“ Der ältere Herr schaut mich respektvoll an: „Woran haschd du des noh erkannd?“ Ich bin stolz auf mich und überdrehe ein wenig: „Na, hörd man do.“ Mein Nachbar, der sich inzwischen als Anton vorgestellt hat, bestellt sich noch einen Rotwein. „Magschd au einen“, wendet er sich an mich. „Nee, lieber ein Bier“, antworte ich und bekomme eines. Nachdem mir Anton erzählt hat, dass er mit seiner Familie bereits seit vielen Jahren auf diese Insel kommt und immer im „Inselglück“ wohnt und ich immer so getan habe, als hätte ich alles verstanden oder im Zweifel einfach verstehend genickt habe, verabschiedet er sich. „Vielleichd seha mir uns morga ja wiedr“, ruft er mir zum Abschied zu. „Jo“, rufe ich ihm hinterher.

„Du verstäjschd misch.“

Ich liebe diese Inselkneipen. Du erfährst Dinge über Menschen, die sie woanders wohl nie erzählen würden. Aber nach dem sechsten Jever oder dem vierten Sanddorngrog löst sich die Zunge. So wie bei Norbert, der zum dritten Mal aus Hessen auf meine geliebte Insel kommt. Norbert ist ein reicher Architekt – sagt er jedenfalls. Seine Frau kommt nicht mehr mit auf die Insel, seit Norbert im Beisein von Freunden an ihrem Bikini herumgekrittelt hat. „Des hotse mer iwwel genumme“, gesteht er mir. Norbert trinkt nur Gin-Tonic. „Des krieht mer oam beschde“, begründet er.  Nachdem wir lange darüber diskutiert haben, ob Werder Bremen oder Hessen Kassel der traditionsreichste Verein ist, und Norbert seinem Nachbarn auf der anderen Seite versucht hat, klarzumachen, dass Schalke 04 nun ja wirklich der „letzte Klub ist“, und der ihm deutlich gemacht hat, mit ihm nicht mehr reden zu wollen, kommt Norbert wieder auf den Bikini zurück. Nach dem siebten Gin Tonic lehnt er sich plötzlich an meine Schulter: „Du verstäjschd misch.“ Ich sei ein wirklich feiner Kerl, habe ein Gefühl für die Probleme der Menschen. Er hat plötzlich Tränen in den Augen und ich erfahre, dass er alles versucht habe, den Fauxpas mit dem Bikini wieder zu reparieren. „Äwwer, sie is weggoange“, gesteht mir der „einsame Wolf“, der kurz danach mit dem Kopf auf der Theke liegend einschläft.

RÖLBS_Likör_Titel         killepitsch

Die Kneipe und damit auch die Theke ist inzwischen fast leer. Vorne auf der Eckbank ist es noch laut. Da sitzen zwei Kölner und beschweren sich, dass es hier kein Kölsch gibt, sondern „nur Bier“. „Nit eimol a Rölbs jit et he“, schimpft der eine. Er meint einen Pfefferminz-Wermut-Likör – ein typisch Kölner Getränk. Ein Düsseldorfer versucht ihn zu ärgern: „Nimm’ doch einen Killepitsch“, sagt er zu ihm in bestem Hochdeutsch. Der Angesprochene reagiert nur mit einem bösen Blick. Sich zu einer Düsseldorfer Spezialität zu äußern scheint unter seiner Würde zu sein.

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Wirt zu Kunibert: "Ihrem Dialekt nach 
sind Sie Rheinländer." 
Kunibert: "Und ihren Frikadellen nach 
sind Sie Bäcker."

 

Een vergnögelke Avend

Hinten in der Ecke sitzt Kalina, die gerade im Hotel nebenan Feierabend gemacht hat. „Na, wieder mal geschafft“, lautet meine inhaltsvolle Frage. „Ich haben gute Woche, morgen frei sein“, antwortet die Bulgarin zwischen zwei Schluck Prosecco. Ich wünsche ihr und Sascha, der mich mit einem „gutes Abend noch“ verabschiedet, noch einen schönen Feierabend und gehe in mein Hotel. Es war wieder ein sehr schöner multikultureller, vergnüglicher  Abend in meiner Inselkneipe mit inhaltsschweren Gesprächen. Ich als Ostfriese finde „Een vergnögelke Avend wer dat“.

Wirt: "Wilhelm, vom letzten Monat 
hast du bei mir noch 6 Bier stehen!" 
" Kannst du ruhig wegschütten, 
die trinkt ja eh keiner mehr!"
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Nach 44 Jahren….

Schöne Geschichte in Veras Blog

Veras Blog

… haben wir sie erwischt! Susanne Freese, jung und schön, wie frisch und fröhlich, hat sie nach wie vor hier auf Baltrum alles im Blick.Hier ist sie, das ehedem zwölfjährige Mädel auf der Tonne am Strand. Das Bild hatte im Fotowettbewerb einen der drei ersten Plätze gemacht. Susanne ist auf dem historischen Foto gemeinsam mit ihrer Mutter im Bild. Und die Mutter begleitet sie auch heute.Familieninsel. Und da sag einer, dass diese Insel unsere Gäste nicht fit hält!!!

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Ein neues Kultur-Mekka entsteht

Konzerte im RIVA in Delmenhorst

In Delmenhorst entwickelt sich eine neue Kultur-Location. Mit zwei erfolgreichen Konzerten hat die Agentur PRo public von Dieter Freese im Eventbereich des RIVA, hervorragend erreichbar direkt am Bahnhof gelegen, eine Serie gestartet. Etwa einmal im Monat sollen dort Gigs unterschiedlicher Genre Freunde der gehobenen Livemusik in die geschmackvolle Location von Inhaber Tarik Cirdi mit bestem Service im hinteren Teil des RIVA (http://www.riva-delmenhorst.de) locken. Regelmäßigen Konzertbesuchern dieser Art dürfte klar sein, dass nicht immer für alle Besucher Sitzplätze zur Verfügung stehen. Das ist für eine gute Stimmung bei solchen Gigs auch nicht gewollt und auch nicht förderlich.

Facebook-Seite: Facebookseite Riva

In den drei Sommermonaten Juni bis August werden keine Indoor-Konzerte veranstaltet. Geplant sind kleinere Gigs im Bereich der Außenbewirtschaftung des Riva. Hier werden vor allem auch Nachwuchsmusiker gesucht, die sich gerne einmal präsentieren wollen. Der Veranstalter nimmt unter der Emailadresse propublic@online.de gerne Bewerbungen entgegen.

Eintrittskarten gibt es direkt im Riva oder unter der Hotline 0152 337 278 80
oder Email propublic@online.de
oder im Ticket Shop des Delmenhorster Kreisblatts

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Start mit der Blues Company

Den Anfang machte kurz vor Weihnachten eine der der besten Bluesbands Europas, die Blues Company. Dieses Konzert von „Toscho“ Todorovic und seiner Band war schnell ausverkauft. Insgesamt bejubelten rund 170 Besucher die  charismatische Band aus Osnabrück. Schon nach kurzer Zeit standen die meisten Gäste und tanzten zum große Teil zu den Rhythmen der engagiert auftretenden Musiker. Das nächste Konzert mit der Blues Company im Riva event ist bereits terminiert: Am 16. Dezember 2017 – natürlich wieder um die Weihnachtszeit.  25 Jahre lang war die Band um diese Jahreszeit in der leider seit Herbst 2013 nicht mehr existenten Kerem Kulturkneipe aufgetreten. Wie schreibt „Toscho“ jetzt erfreut auf Facebook? „The Blues ist back in Town…“

Links:
Rezension im Delmenhorster Kreisblatt
Vorbericht im Delme Report
Vorbericht im Weser Kurier

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Auch die Medien unterstützen das Projekt.
Bei der Pressekonferenz wurde „Toscho“ über Facetime live zugeschaltet.

Etwas rockiger: Zed Mitchell

Am vorigen Sonnabend waren die Musikliebhaber nicht minder begeistert.Der Saitenmagier Zed Mitchell war mit seiner Band gekommen. Der im Vergleich zur Blues Company etwas rockigere Stil der Band kam bei den 140 Gästen hervorragend an. Als dann bei der dritten Zugabe Vater Zed und sein ebenfalls außergewöhnlich guter Gitarrist und Sohn Ted vorne auf der Bühne sitzend mit hautnahem Kontakt zum Publikum ein Gitarrenduett präsentierten, wurde die Stimmung auch emotional. Auch diese Band werden wir im Riva auf jeden Fall wieder erleben…

Links:
Rezension im Delmenhorster Kreisblatt
Vorbericht im Delmenhorster Kreisblatt
Vorbericht im Delme Report
Vorbericht im Weser Kurier
Homepage Zed Mitchell

Irish mit den Stokes

Das nächste Event im Riva stellt ein anderes Genre dar. Am Sonnabend, 18. März, ab 21 Uhr wird original Irish-Folk geboten. Im Rahmen eines irischen Abends bei Kilkenny Beer und guten Irischen Whiskeys werden  „The Stokes“ mit ausgesprochen identischen irischen Klängen und ihrer ansteckenden Unterhaltsamkeit begeistern (Link zum Event).

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An diesem Abend wird der Eventbereich des Riva weniger bestuhlt werden. Die Musik der „Stokes“ verleitet nämlich zum Mittanzen oder zumindest zum Mitwippen. In der anschließenden After-Show-Party können Gäste die Bandmitglieder noch einmal hautnah erleben. Ganz sicher wird da auch noch einmal zur Gitarre gegriffen. Dieses Konzert wird von einem Sponsor präsentiert. Wir freuen uns, dass sich Selman Tonguz, Inhaber des Salons Hair & Beauty Sensation im alten Heidkruger Bahnhof in Delmenhorst, bereit erklärt hat, das Projekt zu unterstützen.

Homepage Sponsor
Homepage The Stokes

 

Jimmy Reiter – hoch dekoriert

Ende April – am Freitag, 28. 4., um 21 Uhr – steht wieder Blues auf dem Programm. Mit Jimmy Reiter und seiner Band kommen erneut Musiker, die zur Crème de la Crème in der europäischen Bluesszene gehören. Im März 2016 wurde Jimmy Reiter von der Internet-Fachseite „Blues in Germany“ als bester zeitgenössischer Blueskünstler des Jahres 2015 ausgezeichnet.

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Mit seiner Stimme umgarnt er das Publikum, als sei er ein erfahrener Wanderprediger. Jimmy Reiter, der geborene Bluesman, spielt seine Musik hingebungsvoll und dabei ganz dem Slogan seines letzten Albums folgend: „High Priest Of Nothing“. Auch dieses Konzert wird unterstützt. Musikfreund und Mäzen auch anderer Institutionen, Piet Tönjes, Geschäftsführer der J. H. Tönnjes GmbH an der Syker Straße in Delmenhorst, präsentiert den Abend mit seiner Firma.

Homepage Sponsor
Link zum Event
Homepage Jimmy Reiter

Auch auf dieser Seite werden die Musikfreunde auf dem Laufenden gehalten und zusätzlich informiert: Homepage PRo public
Nehme Sie gerne Kontakt mit uns auf. Auch für Anregungen, die unser Engagement noch mehr verbessern,  sind wir sehr dankbar.

Die etwas andere Kunst: das Wahlplakat

Morgen sind Kommunalwahlen und alle Parteien haben in ihren Werbeaktionen noch einmal Gas gegeben. Ich habe mir einmal mit satirischem Augenzwinkern die Wahlplakate zur Brust genommen – hier am Beispiel Delmenhorst.

Grafische Orgasmen und hohle Sprüche

Von Dieter Freese

Ich habe mich wirklich bemüht, bin mit offenen Augen durch die Straßen gegangen und habe mich ernsthaft hinterfragt: „Was wollen mir diese Menschen oder die Parolen auf den Wahlplakaten eigentlich sagen.“ Ich bin sehr schnell zu dem Entschluss gekommen, dass Wahlplakate eigentlich überflüssig sind. Aber Drucker müssen ja auch leben.

Und Grafiker oder Ideenschmieden. Im grafischen Bereich schießt in Delmenhorst die SPD den Vogel ab. Ich bin der festen Überzeugung, dass die grafischen Orgasmen bei den SPD-Plakaten auf einem LSD-Trip erzeugt wurden. Außerdem sind Gestalter ganz sicher auch Comic-Fans. Auch Mandela-Liebhaber sind unter ihnen.

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Im LSD-Rausch – auch der Kandidat der Linken scheint etwas genommen zu haben

Auch Hilfestellung für das Ausfüllen der Stimmzettel gibt es auf den Comic-Plakaten der SPD (Bild links). Dabei bin ich mir gar nicht so sicher, ob man nicht auch einen Haken machen darf. Aber Haken dran – schauen wir auf das rechte Bild: Na klar, für alle. Mit wenigen kriegen wir die Fußgängerzone doch nie voll. Aber egal, sind ja nur Comics.

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Süß finde ich die „Blumenkinder“ von den Grünen. Oder „Sonnenkinder“? Egal, jedenfalls wurden zur Jahreszeit passende Blumen ausgesucht. Nach dem Motto „Wenn grün, dann richtig“. Die Blumen sind aber doch gelb…

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„Wenn grün, dann richtig“ – bei dieser nichtssagenden Parole geht leider das ernsthafte und wichtige Thema dieses gelungenen Plakates etwas unter. Na ja, jedenfalls ist es farbig.

img_0424Sehr einfallsreich – eben CDU-typisch konservativ. „Mehr CDU für Delmenhorst“. Ok, aber warum, verdammt noch mal. Das hätte ich ja gerne gewusst.

Ach so, ja, deshalb: Damit wir in Langenwisch keine Riegelbauten bekommen. Und damit wir einen Kunstrasenplatz für unsere Fußballvereine erhalten. Da fühlen sich bestimmt einige angesprochen, zum Beispiel die Anwohner an der Langenwisch und die Fußballer.

fachwerkhaus_rohbauDamit ihr einmal seht, was Riegelbauten eigentlich sind, nämlich Fachwerkbauten. Aber ich glaube, das meint der Gestalter des CDU-Plakates gar nicht.

14089246_1082329085136834_1649366778354540327_nNoch etwas Populistisches ist der CDU eingefallen. Nur wie ist das gemeint: „Mehr Heimat – mehr Stärke“. Klingt irgendwie nach AfD-Parolen, oder?

Aber auf der Schiene des verunsicherten Bürgers fahren auch andere. Zum Beispiel die Freien Wähler.

Mehr Polizeipräsenz, damit wir uns sicher fühlen können? Na, dass mehr Geld für die Polizei genehmigt wird oder dass wir uns sicherer fühlen können, wenn wir morgen unser Kreuz bei den Freien Wählen machen, möchte ich bezweifeln.

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Das ist zwar auch eine Binsenweisheit, aber wenn die Freien Wähler mit diesem Plakat ausdrücken wollen, dass sie sich für mehr Bildung stark machen wollen, unterschreibe ich das. Hoffentlich meinen sie auch „Bildung für alle“.

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Ach ja, unsere Sorgenkinder in Delmenhorst – die FDP. Im bundes- oder landesweiten Vergleich sind die „Freien Demokraten“ an der Delme schon eine besondere Spezies. „Verlässlich“? Na, ja. „Engagiert“? Kann sein. „Unbequem“? Ganz sicher. Ganz sicher aber auch voller populistischer Parolen. Gerne auch „erst hü und dann hott“ – wie beim Standort des Klinikbaus.

Kommen wir zurück zum Punkt Engagement: Wenn das alles erreicht werden soll, was auf dem Plakat links steht und die Sportler der Stadt locken soll, ist viel Engagement von Nöten. Und übrigens auch viel Geld. Ach Manuel, lass dir gesagt sein: Herz und Politik – das geht nicht zusammen.

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Mensch Murat, was ist denn hier passiert. Möchtest du nicht zeigen, welches Gesicht hinter der Forderung nach dem Standort des Klinikums steht?

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Wie doppelzüngig Politiker sein können, wird hier deutlich. Zwischen geschriebenen Parolen und tatsächlichem Handeln, Verhalten und dem gesprochenen Wort liegen manchmal Welten. Übrigens, dass Tamer Sert hier hinter Gittern zu sein scheint, ist Zufall und dem Gegenlicht beim Fotografieren geschuldet.

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Das ist doch mal ein schönes Bild, das hier von den Linken gemalt wurde.Frech und einfallsreich auf den Punkt gebracht. Und vor allem auch deutlich auf die Kommunalpolitik bezogen. Klare Kante.

Aber das ist doch eigentlich der Spruch der Delmenhorster Piraten.

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Um zu wissen, was die Piraten fordern, muss man aber erst das Wahlprogramm lesen. Ich weiß, dass es unter anderem auch um eine Mehrzweckhalle im leeren Praktiker-Baumarkt in Stickgras geht. Die Idee, das Programm auch in einfacher Sprache anzubieten, oder dabei an ausländische Mitbürger zu denken, ist lobenswert. Es zeigt, dass gerade die kleinen Parteien manchmal die besseren Ideen haben, als die sogenannten Volksparteien.

plakat-1Kommen wir zu meinem absoluten Favoriten. Kommen wir zum Dschungelkönig und Weltenbummler Paul Wilhelm. Da rede ich doch mal Klartext: Paul geht neue Wege im Bürgerforum „Neue Wege“ – unbeeindruckt von den vielen Nebengeräuschen rund um seine Person.

Ich halte es da doch lieber mit einem unserer größten Humoristen, der so einiges mit spitzer Feder oder feiner Wortwahl auf den Punkt gebracht hat. Auch diesmal passt es…

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Der böse Traum über Gondeln

Achtung Satire

Berthold und seine Seilbahn im Wattenmeer

Von Dieter Freese

Neßmersiel im Jahr 2030 an einem sonnigen Tag im Juli.

„Zur Fahrt nach Baltrum bitte einsteigen“, schallt es aus dem Lautsprecher. „Die nächste Fahrt beginnt in fünf Minuten. Die Türen schließen automatisch.“

Eilig bringen die letzten Fahrgäste ihr Gepäck in den Gondel-Container und steigen im Abfahrtterminal in die blaue Gondel. 80 Menschen passen in Jede von ihnen, in der der mittlerweile doch etwas ergraute Stefan „Kohle“ Kohlmetz im vorderen Teil des im Wind schwankenden Gefährts „Cappuccino spezial“ und Crêpes anbietet. Wer diese Gondel verpasst, muss sich nicht ärgern – die nächste fährt in einer Stunde. Die Zeit kann man sich in Kais „Gondel-Pixel“, einer Außenstelle der Baltrumer Inselkneipe „Alte Liebe“ vertreiben.

Heute verläuft die zehnminütige Fahrt über das Wattenmeer ruhig, die Gondel schwankt nur ein wenig im Wind. Die Fahrgäste winken durch den durchsichtigen Glasboden hindurch den Wattwanderern unter ihnen zu. Nicht alle winken freundlich zurück. Noch immer ist die Abneigung gegen das Monstrum mitten im Weltkulturerbe Wattenmeer allgegenwärtig.

In der vorigen Woche musste Berthold Tuitjer, Eigner und Geschäftsführer der Baltrumer Gondel-Verkehrs-GmbH, den Betrieb wegen zu starken Windes einstellen lassen. Die Seile, die auf den sechs, rund 70 Meter hohen Masten im Watt ruhen, standen still, summten laut im Wind.

Das geschieht öfter und war eigentlich absehbar. Deshalb mussten Tuitjer und die anderen Gesellschafter zusätzlich investieren. Sogenannte Gondel-Ersatztaxis wurden gebaut und brachten die Tagesgäste und Langzeiturlauber auf die Insel. Die haben zwar nur sehr wenig Tiefgang, waren aber dennoch tideabhängig. Genau das sollte laut der groß angelegten, international verbreiteten Werbekampagne mit dem Motto „Schiet op Ebbe un Flut, de Gondel bringt die to jede Tied op Baltrum rut“ eigentlich der Vergangenheit angehören.

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Weil die Gondeln windanfällig sind, mussten Insel-Taxis angeschafft werden

Einen anderen Fährbetrieb gibt es nicht mehr, nachdem der Vertrag mit der Baltrum-Linie nicht verlängert worden war und die Konkurs anmelden musste. Die Gebäude der Baltrum-Linie in Neßmersiel und auf Baltrum beherbergen jetzt ein „Technisches Gondel-Museum“.

Kapitän Egbert Behrends hat am Ostende mit seinem Freund Andreas Dietrich einen Fischimbiss am Ostende der Insel aufgemacht. Dort verkauft er die selbst geangelten und nach speziellen Rezepten zubereiteten Meerestiere. Eine Mini-Seilbahn, das „Fisch-Göndelchen“ bringt die Gäste vom Westdorf ans Ostende.

Durch die zusätzlich notwendigen Investitionen mussten die Kosten für die Seilbahn drastisch nach oben korrigiert worden. Aus den 2016 veranschlagten 20 Millionen wurden 55. Das wirkte sich natürlich auch auf den Fahrpreis aus. Statt der vollmundig versprochenen drei Euro pro Seilbahnfahrt werden inzwischen 28 Euro kassiert. Das entspricht genau dem Preis, der 2016 für die Überfahrt mit der Baltrum I oder Baltrum III gezahlt werden musste.

Alleine 15 Millionen haben die pompös errichteten Gondel-Terminals in Neßmersiel und im Hafen von Baltrum verschlungen. Die damals verantwortliche Seilbahn-Transfer GmbH unter der Geschäftsleitung der Unternehmensgruppe Kuhlmann ging pleite. Der frühere Baltrumer Bürgermeister und Ideengeber für die Seilbahn, Berthold Tuitjer, übernahm mit der neu gegründeten Baltrumer Gondel-Verkehrs-GmbH.

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Die Terminals für die Gondeln verschlangen viele Euros

Rückblick: Im Jahr 2014 saß Bürgermeister Tuitjer mit einem Unternehmer aus Osnabrück, der seit vielen Jahren Stammgast auf Baltrum war, beim Bier in der „Alten Liebe“ zusammen. Nach dem sechsten Glas Gerstenkaltschale reifte die Idee, eine Seilbahn zwischen der kleinsten ostfriesischen Insel und Neßmersiel bauen lassen. Das Gelächter war groß, als die Pläne zwei Jahre später an die Öffentlichkeit kamen. Von Schnapsideen und Füllung von Sommerlöchern war die Rede. Als Tuitjer bekannt gab, dass die Idee ernst gemeint war, prasselten Proteste auf ihn ein.

Naturschützer meldeten sich zu Wort. Stammgäste fürchteten um die Lauschigkeit ihres „Dornröschens“. Doch Tuitjer machte ernst und fand auch bei den Inselbewohnern, die ihre Kassen klingeln hörten, weil mehr Tagesgäste auf die Insel geschaufelt werden konnten, zunehmend Zustimmung.

Also setzte sich der parteilose aber nicht unparteiische Baltrumer Bürgermeister wieder mit Menschen beim Bier zusammen – diesmal mit wichtigen Leuten vom Naturschutz. Diesmal war auch der eine oder andere „Würgengel“ notwenig, um kritische Ansichten verstummen zu lassen. Das Gerücht, dass auch der eine oder andere Urlaubsaufenthalt für naturliebende Menschen herausgesprungen sein soll, kann hier nicht bestätigt werden. Stark zu vermuten ist aber, dass der Bürgermeister an diesem langen Abend die Zeche in der „Alten Liebe“ bezahlt hat. Wirt Kai  Schalkowski soll noch in der selben Woche in eine neue Frischluftanlage in seiner Raucherkneipe investiert haben.

Danach saßen Tuitjer und seine Mitstreiter im stillen Kämmerlein, bastelten Prototypen, probierte sie unter erstaunten und amüsierten Blicken der Gäste und einiger Krebse angelnder Kinder am Spielteich aus.

Protypen werden am Spielteich ausprobiert

Mit Erfolg: 2026 wurde die Seilbahn in Betrieb genommen und das neue Baltrumer Wappen vorgestellt. Danach setzte auf dem kleinsten ostfriesischen Eiland ein Boom ein. Der Anteil der Hartz-4-Empfänger unter den Inselbewohnern sank deutlich. Die Anzahl der Tagesgäste stieg um 60 Prozent. 3000 neue Strandkörbe wurden gekauft, der Bereich des Badestrandes um 500 Meter weiter nach Osten verlegt.

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Das neue Baltrumer Wappen

Nur die Zahl der Wattwanderer ging zurück. Sie verspürten keine große Lust, durch ein von großen Masten verschandeltes Watt zu wandern. Wattführer wie Tammo, Jessica, Johann oder Thorsten beklagten erhebliche Einbußen.

Baltrum wurde moderner. Die Shoppingmeile wurde endlich überdacht (siehe auch unter Inselgeschichten in dem Blog, „Ein Dach für Baltrum“: Inselgeschichte). Der Jugendclub wurde erweitert, ist jetzt eine Großraumdisco. Direkt am Hafen wurde das Restaurant „Gondoliere“  eröffnet. Der große Klotz, architektonisch an das Turning Torso von Malmö angelehnt, ist jetzt das neue Wahrzeichen von Baltrum

Die Stammgäste von früher kommen nicht mehr, die Ehrung langjähriger treuer Besucher wurde eingestampft. Dafür wird jetzt der Orden „Tagesgast des Monats“ vergeben. Außerdem reisen zunehmend Gäste aus dem Allgäu, aus der Schweiz und Österreich an. „Endlich mal gradaus fahren, net immer nur nauf und nunter“, nennt Alois aus Kärnten den Grund für das neue Interesse der Gäste aus den Alpenländern.

Baltrum ist jetzt Knotenpunkt im Wattenmeer – im Terminal am Hafen werden Gondel-Anschlussfahrten nach Norderney und Langeoog angeboten. Angedacht ist eine Langstreckenverbindung nach Helgoland. Der Baltrumer Flughafen wurde ausgebaut. Mit Airberlin, Germanwings oder einfach mit der Tuitjer-Linie Baltrum Air ist man in wenigen Stunden in Frankfurt, Berlin oder Amsterdam.

„Dieter, Frühstück ist fertig!“, schallt es von unten. Ich schrecke in meinem Bett hoch und bin erleichtert. Es war alles nur ein böser Albtraum. Ab morgen ist Urlaub, dann geht es nach Baltrum – zu unserem gemütlichen Dornröschen in der Nordsee. Ich werde mit der Baltrum I fahren, werde bei „Kohle“ einen Cappuccino spezial und bei Kai in der „Alten Liebe“ ein frisches Bier und eine Käsebulette genießen. Ich, Ehrengast der Insel Baltrum, freue mich auf viel Erholung…

Hintergrund: Bericht NDR

Ganz schön grün: Pellworm

Wir kennen sie ja eigentlich fast alle – die Inseln in Ostfriesland und an der nordfriesischen Küste. Auch die Ostsee in Mecklenburg/Vorpommern ist uns ans Herz gewachsen. Eine kannten wir bisher aber noch nicht: PELLWORM. Ostern haben wir diese Lücke geschlossen.

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Pellworm – ja, das ist etwas für Naturliebhaber und der Farbe „Grün“. Es gibt keinen Sandstrand wie zum Beispiel auf unserer Lieblingsinsel Baltrum an der ostfriesischen Küste oder auch auf Föhr in Nordfriesland, in die wir uns bei unseren Besuchen auch verliebt haben. Der fehlende Sandstrand wird jedoch durch einige befestigte Badestellen auf der Insel ersetzt. Neben dem besonders in den Sommermonaten dominierenden Tourismus ist neben zahlreichen Windkraftanlagen auch die Landwirtschaft ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für die Insel.

Pellworm –  ja, das ist eine ruhige Insel. Die nicht zwingend zum Shoppen einlädt. Es gibt nicht diese schönen Lädchen, wie zum Beispiel das „Unterdeck“, das „Strandgut“, das „Mode Möwchen“, „Jutta’s Mode-Treff“ oder die „Schatzinsel“ und natürlich „Stadtlander“ auf Baltrum. Es ist alles deutlich beschaulicher. Eine schöne, warme Jacke habe ich dort trotzdem gefunden – und einen neuen Sticker für meine Mütze!

Pellworm – ja, das ist eine grüne Insel. Dort muss man Fahrrad fahren wollen. Wer das mag, ist sehr gut auf der drittgrößten nordfriesischen Insel aufgehoben. Die Insel ist rundherum eingedeicht.  Entlang dieses Deiches verlaufen wunderbare Radweg. Man hat – je nach Windrichtung – die Wahl, innerdeichs oder außen am Deich, direkt am Wasser (oder je nach Tide eben am Watt) entlang zu fahren.

Wir sind bei unserem fünftägigen Aufenthalt insgesamt rund 130 Kilometer mit den geliehenen, sehr guten Rädern gefahren. Teilweise forderte der starke Gegenwind uns schon heraus. Die Fahrt in die andere Richtung entlohnte für die Anstrengung. Der Wind trieb einen vor sich her.

Eine kleine Pause zwischendurch tut gut

Eine gute Radwegkarte bietet einige Touren von unterschiedlichen Längen an – auch die Fahrten quer durch die Insel mitten im Wattenmeer haben ihren Reiz.

Pellworm – ja, das ist eine Schafsinsel. Wie erwähnt gibt es keine Sandstrände. Die Strandkörbe – nicht wie auf Baltrum blau-weiß sondern rot-grün-blau gestreift – stehen an der Wasserseite direkt am Deich. An dem selben Deich grasen auch die unzähligen Schafe. Schafe fressen ununterbrochen. Schafe verdauen auch ununterbrochen. Schafe entsorgen das Verdaute auch ununterbrochen. Das heißt: Zwischen den Strandkörben lag viel Verdautes und dann Entsorgtes herum.

Unsere ständigen Begleiter: Die Schafe auf Pellworm

Pellworm – ja, das ist etwas für Liebhaber von Fischspeisen und vor allem für Krabben-Fans. Im Hauptort der Insel, in Tammensiel im Osten mit dem alten Hafen, in dem viele Krabbenkutter ein- und ausfahren, kann man hervorragend und sehr preiswert essen. Im Fischrestaurant „Nordseeblick“ von Dörte Koch haben wir sehr gut gespeist. Ebenfalls am alten Hafen liegt das Restaurant Hafen Pub. Vorne im Restaurant bietet Bina Thomsen vor allem Krabbenspezialitäten an, hinten lädt der gemütlich Pub von ihrem Mann Arno zu einem leckeren „Flens“ ein. Im Angebot hat Arno auch den mit Vorsicht zu genießenden „Absinth a la Arno“

Der alte Hafen

Der „Hafen Pub“ ist auf Facebook eines der am meist gelikten Restaurant der Welt. Dafür haben auch sicher Stefan Raab mit seinem Live-Telefonat in seiner Sendung „TV Total“, als er eigentlich Pellworms Bürgermeister Jürgen Feddersen sprechen wollte, und der medienträchtige Besuch von Elton im Pub gesorgt. Mit Erfolg: In der „TV Total“ Sendung am 24. November 2014 hat das Pub bereits 86.162 Likes zu verzeichnet, aktuell sollen es weit über 200.000 sein. Auch als wir dort gegessen haben, drehte ein Fernsehteam des NDR gerade ein Stück für die „Nordstorys“.

Elton im Hafen Pub (Fotoquelle: Husumer Nachrichten Peter Fänger)
und Arno Thomsen am Zapfhahn

Schaut einmal rein, echt lustig: TV Total Link

In diesem Sinne: Prost: IMG_8685

 

 

 

 

 

 

Unser Fazit: Es war gut, dass wir uns diese, 37,44 Quadratkilometer große Insel in Nordfriesland mit rund 1100 Einwohnern einmal angeschaut haben. Damit ist es aber auch gut. Einen Sommerurlaub werden wir dort sicher nicht verbringen. Dafür sind wir von unserem Baltrum, wo wir auch die Ruhe finden, wenn wir sie suchen, doch zu sehr verwöhnt.

Es gibt einiges in der Pellwormer Natur zu beobachten – z. B. den Vogelflug

Es gibt auch einige Sehenswürdigkeiten auf Pellworm. Wir haben sie uns auf unseren Fahrradtouren angeschaut. Glück hatten wir dabei bei der Besichtigung der Alten Kirche mit dem Wahrzeichen der Insel, der 26 Meter hohen Turmruine. Weil gerade eine geführte Busgruppe am Ort war, haben wir als „Mithörer“ einiges Wissenswertes erfahren. So wissen wir jetzt, dass in der Kirche die  einzige in Schleswig-Holstein erhaltene Schnitger-Orgel des Orgelbauers Arp Schnitger aus dem Jahr 1711 auch regelmäßig bei Orgelkonzerten eingesetzt wird.

Der Pellwormer Leuchtturm von 1906 im Süden der Insel haben wir besichtigt. Der 38 Meter hohe Turm ruht auf 127 bis 14 Meter tiefen Eichenpfählen und wiegt 130 Tonnen. Auf dem Leuchtturm befindet sich ein Standesamt, das bei seiner Eröffnung das erste deutsche Standesamt auf einem Leuchtturm war.

Im Rungholt-Museum Bahnsen präsentiert seit 1980 der watterfahrene Heimatforscher Hellmut Bahnsen Funde aus dem Watt.  Die Nordermühle ist ein 1777 errichteter einstöckiger Galerieholländer mit durchlaufendem Achtkantständer, Segelflügeln und Steert im Norderkoog. Die Mühle wurde nach der Restaurierung 1995 bis 2008 als Restaurant genutzt, nach dem Umbau 2009 ist sie in drei Ferienwohnungen aufgeteilt.

Im Nordosten der Insel befindet sich eine leicht zugängliche Vogelkoje, die als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist. Sie weist das einzige Gehölz der Insel auf und wird nicht mehr zur Jagd genutzt. Wir sind mit dem Rad daran vorbei gefahren.

Es geht wieder nach Hause

Wir drücken den Pellwormern die Daumen, dass sie noch viel Freude an ihrem nicht autofreien Eiland haben. Denn in den letzten Jahren kommt es auf der Insel aufgrund von Überalterung zu einem deutlichen demographischen Wandel. Immer mehr Immobilien stehen zum Verkauf oder wurden bereits an Auswärtige veräußert. Da diese oft nicht nach Pellworm ziehen, sondern die Häuser vielfach an Feriengäste vermieten, nimmt die Zahl der Insulaner und der Bauernhöfe ab, während die Durchschnittsgröße der verbliebenen landwirtschaftlichen Betriebe wächst.

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